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Positionspapier der "Dörfergemeinschaft gegen Hähnchenfabriken in Steinhöfel - für eine lebenswerte Region" Stand 10. Dezember 2012

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Mit großer Sorge !
Agrargrossbetriebe entstehen in unserer unmittelbaren Wohnnähe, das lehnen wir aus folgenden Gründen ab:

Die Errichtung der Agrar-Grossbetriebe werden zur Abwanderung aus unseren Dörfern führen, einen Leerstand, wie in den Medien angekündigt, wird es geben, denn niemand kann mit Lärm durch Transportverkehr, Staub, Gestank und Bioaerosolbelastung auf Dauer leben.
Das bedeutet, dass die beginnende positive Entwicklung im ländlichen Raum- unserer Region- gestoppt wird, die bisherige Arbeit, die Investitionen verpuffen und die Bevölkerung hat keine Chance auf ein lebenswertes Dasein.
So ist eine Veränderung in allen Bereich zukünftig möglich und eine noch intakte Natur und ökologische Landwirtschaft werden von einer Industrialisierung abgelöst – das heißt, Einzelne profitieren und alles andere ordnet sich dem unter.

Eine gesundheitliche Belastung ist schon jetzt sehr hoch. In vielen Familien sind Krebserkrankungen in früheren Zeiten und aktuell  eingetreten, ebenso wie Erkrankungen der oberen Luftwege.
Durch die Hochspannungsleitung, den Verkehr und Gülleausbringung von Milsana ist unsere Belastungsgrenze ausgereizt.
Es ist allgemein bekannt und erwiesen, dass Feinstaub und Lärm krankmachende Faktoren sind.

Dazu kommt, dass in unserer Region die Belastung des Trinkwassers durch Nitrat im Grundwasser alarmierend ist. Aktuell liegen uns laborgeprüfte Werte von Brunnen in Eggersdorf (5 km von uns entfernt) vor die zeigen, dass Grenzwerte überschritten sind, das Gesundheitsamt soll einbezogen werden.
Durch die geplante Hähnchenmastanlage und die Ausbringung des dort anfallenden Dungs, der hoch mit Keimen befallen ist, der dann bis unmittelbar vor unseren Grundstücken liegt, wird diese Belastung dramatisch ansteigen und niemand kann uns sagen, welche Belastungen durch Bioaerosolausstoss  und Antibiotika, resistente Keime in den Ausscheidungen auch durch die geplanten Filter bis in unsere Lungen und Verdauungssysteme eindringt, weil unser Obst und Gemüse von unseren Feldern und Gärten eigentlich auch von uns verzehrt werden sollte.
Landwirtschaftliche Produktion ist seit Menschengedenken die Basis unserer Ernährung.
Wir als Bürgerinitiative sind nicht gegen die landwirtschaftliche Produktion.
Wogegen wir aber klar Stellung beziehen, ist die Produktion in Tierfabriken, in der die Würde des Tiers und letztendlich die Würde von uns Verbrauchen missachtet wird.
Von einer Hähnchenmastanlage, auch als landlose Tierhaltung bezeichnet, geht eine erhebliche Belastung aus.

Hühner sind gesellige Vögel, die in der Lage sind, lebenslange Freundschaften einzugehen. Gewährt man ihnen ein Leben in Freiheit, bilden sie bevorzugt Gruppen von wenigen Hennen und Jungtieren, die unter der Leitung und dem Schutz eines Hahns stehen. Oft unterschätzt werden Hühner in ihren mentalen Fähigkeiten – dabei entspricht ihre Intelligenz der von Hunden oder manchen Primaten. Sie haben ein gutes Gedächtnis und eine Sprache mit über 30 Arten von Verständigungslauten. Wenn sie nicht in Massentierhaltung leben, verbringen die Vögel den Tag vor allem mit intensiver Futtersuche und (manchmal auch gegenseitiger) Gefiederpflege. Zwischendurch legen sie gerne ein Sonnenbad ein. Ihren Schlafplatz suchen sich Hühner so hoch gelegen wie möglich – am liebsten fliegen sie dazu auf Bäume. Da Masthühner in Massentierhaltung nicht einmal Sitzstangen haben, müssen sie stattdessen auf dreckiger Einstreu liegen. (Zitat: „www.Albert-Schweitzer-Stiftung.de“ – Web-Seite)

Tierquälerei in Mastanlagen

In industriellen Mastanlagen fristen Schweine, Hühner und andere Nutztiere ein qualvolles Dasein. Aus Kostengründen werden sie auf engstem Raum gehalten und haben kaum Bewegungsmöglichkeiten. Bei Hühnern führt die drückende Enge oft zum gegenseitigen Auspicken der Federn. Dieses qualvolle und von Stress geprägte Leben ertragen die Tiere nur durch den massiven Einsatz von Medikamenten, insbesondere Antibiotika.  (Zitat: „www.BUND.de“ Web-Site)
Wir Anwohner wollen nicht in einer Region mit Agrargrossindustrie und allen seinen bekannten und unbekannten Folgen leben!

Der Protest gegen die Massentierhaltung und ihre Folgen für jeden Einzelnen und die Umwelt, führt immer mehr Menschen in unseren Dörfern, der gesamten Region, auch über die Grenzen des Landkreises hinaus, zu Bürgerinitiativen zusammen, die sich vernetzen.
Der geplante Hähnchenmastbetrieb zwischen unseren Dörfern- Tempelberg, Buchholz und Gölsdorf- ist dabei nur ein Teilstück der Problematik, denn die gesamte Region wird davon direkt bzw. indirekt betroffen sein, sei es der Transport der Tiere, des Futters usw., oder  der Wind, der alles mit sich trägt, ohne, dass wir es erst einmal merken. Nachweislich ist, dass beim Transport der Tiere in offenen Transportbehältern auf den LKW’s, durch den Fahrtwind aus dem Gefieder Kot, kontaminierte Streu, Milben und Feinstäube in die Umgebung geblasen werden.
Ist es zulässig, dass wir solchen Belastung aussetzen werden?

So hat sich die Bürgerinitiative” Dörfergemeinschaft gegen Hähnchenfabriken – für eine lebenswerte Region” gegen den Bau einer gigantischen Hähnchenmastanlage am 28. November 2012 gegründet.

Die Hähnchenmastanlage soll in völlig unbebaute, unerschlossene, naturbelassene Landschaft gesetzt werden.
Die Natur in unserer Region bietet vielen Pflanzen und Tieren eine Heimat. Der Biotopverbund und die tier- und pflanzensoziologischen Zusammenhänge in einer Sand-Ginsterheide und deren Kontaktgesellschaften im betroffenen Gebiet haben einen hohen und wertvollen Stellenwert und würden unwiederbringlich vernichtet werden.
Daraus ergibt sich die Frage und Forderung nach Maßnahmen zum Erhalt der Fauna und Flora: Werden ausgleichende Maßnahmen zur Erhaltung bzw. Regenerierung der Natur durch den Betreiber der geplanten Hähnchenmastanlage ortsnahe gefordert und getätigt? Was ist mit Nachhaltigkeit, sollte die Anlage gebaut werden, erfolgt ein Rückbau nach einer späteren Stilllegung der Anlage? Wir haben schon genug landwirtschaftliche Ruinen in unserer Region.

Erst im Sommer 2012 wurde ein 40 ha großes Gebiet zwischen Buchholz und Tempelberg als Denkmalschutzgebiet deklariert, verbunden mit Auflagen durch das Denkmalamt.
Werden diese Auflagen auch an den Bauherren gestellt?

Die Region LOS und somit unsere Umgebung ist ein anerkanntes  Kultur/Natur-touristisches Gebiet von überregionaler Bedeutung und damit Bestandteil des Tourismusverbandes “Seenland Oder-Spree”. Hier sind schon viele Fördermittel mit nachhaltiger Nutzung eingesetzt worden, und viele neue interessante Projekt für die Zukunft geplant.
Z.B. tangieren zwei mit 5 Sternen zertifizierte Radwege speziell diese Region (von 13 in ganz Brandenburg, liegen 6 im Landkreis LOS und  es gibt nur 39 in ganz Deutschland)
Diese Landschaft verbindet die Märkische Schweiz mit der Scharmützelsee-Region. Durch dieses Gebiet führt ebenso der Jacobsweg. Eine der ältesten Templerkirchen, ein Steinkistengrab, historische, denkmalgeschützte Ortskerne, die Endmoränenlandschaft, von der der Eiszeitweg zeugt und eine Landschaft, die sich dem Betrachter zeigt,  ohne von Anlagen geprägt zu sein, die auf die Anwesenheit von Menschen hinweisen.
Wo gibt es das noch? Es ist bewahrenswert!
Viel Arbeit und Zeit hat es gebraucht, dass diese Kleinode wahrgenommen werden und ein Geheimtipp sind für Besucher, die diese Kostbarkeiten zu schätzen wissen und hierher ihre Ausflüge planen, ihren Urlaub verbringen. Doch wer will das in der Nähe einer Hähnchenmastanlage?
Von den Agrar-Grossbetrieben profitieren einige wenige Investoren, von der touristischen Entwicklung profitiert die ganze Region.

Der finanzielle Grundwert unserer eigenen Grundstücke, Höfe und Ländereinen werden drastisch reduziert, durch den verminderten Lebens- und Wohnwert in unseren Dörfern, die Strassen werden in Mitleidenschaft gezogen, als Anlieger werden wir bei Erneuerung zur Kasse gebeten.

Es ist nachgewiesen, dass eine Hähnchenmastanlage, wie die hier geplante, Auswirkungen auf regionale und globale Märkte hat. Die „wertvollen“ Teile eines billig produzierten Hähnchens, wie Filets und Flügel werden den heimischen Markt überschwemmen. Die weniger für den heimischen Markt handelsrelvanten Fleischteile werden in die Dritte Welt verschifft. So werden dort regionale Kleinbauern und Kooperativen um ihren Ertrag gebracht und ganze Familien und Bevölkerungen in die Armut getrieben, deren Erwerbsgrundlage zerstört wird, sie werden nie eigenständig für ihre Ernährung sorgen können und am Tropf der reichen Industrieländer hängen.
Ca.15 % des in diesem Jahr in Deutschland erzeugten Fleisches   landet im Müll.

Der aktuelle Weltagrarbericht, verfasst von Wissenschaftlern aus aller Welt sagt: “weiter, wie bisher ist keine Option mehr, die Zahl der Hungernden steigt rasch, industrielle Landwirtschaft und Monokultur zerstören unsere natürlichen Ressourcen. Nicht die Agrarindustrie, sondern die über 2 Milliarden mittelständigen und kleinbäuerlichen Betriebe sichern die Welternährung.

Aktionismus ist fehl am Platz. Lasst uns jetzt in unserer Region mit dem Umdenken beginnen!

Der Reichskanzler Hardenberg kam unter anderem in unsere Gegend, um hier zu leben, weil ihn die Landschaft inspirierte und es ihm einfach gefiel, er mit seinen hochrangigen Gästen ohne Störungen die kommenden Reformen entwickeln konnte.
Er betrieb natur- und umgebungsbezogenen Landwirtschaft. Seine Nachkommen sind momentan bestrebt, eine Tierfabrik in unserer Region zu etablieren. Natürlich müssen auch Landwirte wirtschaftlich denken, dies aber im Rahmen einer ökologischen und moralisch unbedenklichen Wirtschaftlichkeit.
Wir sind gern bereit, über Alternativen gemeinsam nachzudenken und ins Gespräch zu kommen.

Unser gemeinsames Anliegen muss sein: für unsere Heimat eine gesunde, von Natur und Kultur geprägte, wertvolle Zukunft für uns alle und die nachfolgenden Generationen lebenswert zu sichern.

Bürgerinitiative  
“Dörfergemeinschaften gegen Hähnchenfabriken –
für eine lebenswerte Region”

Im Namen der Mitglieder

Sprecher der BI

Kerstin Hellmich               Sven Welk

 

 

Lesenswert:
http://www.stern.de/wissen/natur/massentierhaltung-viele-masthaehnchen-koennen-kaum-laufen-609991.html
http://albert-schweitzer-stiftung.de/tierschutzinfos/massentierhaltung/huehnermast
http://www.bund.net/spenden/spendenprojekte/massentierhaltung_stoppen/?pk_campaign=Spenden%20-%20Massentierhaltung
http://www.bund.net/themen_und_projekte/landwirtschaft/tierschutz/massentierhaltung_und_umweltstandards/
http://www.peta.de/web/massentierhaltung.147.html

Sehenswert:
http://www.youtube.com/watch?v=Li-Tf5PX7iI
http://www.youtube.com/watch?v=pIwN4yr-K5Q

http://www.youtube.com/watch?v=XyJWQ9d5hpo